Kamerun – das kleine Afrika 

Vom Atlantik über tropische Regenwälder, Steppen und Savannen bis zum Tschadsee am Rande der Sahara – nicht ohne Grund wird Kamerun oft als «Afrique en miniature» bezeichnet. Die vielfältigen Klimazonen bieten Lebensraum für eine ausserordentlich reiche Tier- und Pflanzenwelt. 

von Jana Arnold

Kamerun – in der «Armbeuge» Afrikas, Bild: Wikimedia Commons

Geografie und Natur

Mit einer Fläche von 475’440 km2 ist Kamerun etwa 10-mal so gross wie die Schweiz oder 1.3-mal so gross wie Deutschland. Das Land befindet sich in Zentralafrika und hat die Form eines spitzen Dreiecks. Im Westen wird es von Nigeria begrenzt, die östlichen Nachbaren sind der Tschad und die Zentralafrikanische Republik, im Süden sind es Gabun und Äquatorial-Neuguinea. Macht man sich auf eine Reise von der Atlantikküste zum «Entenschnabel» im Tschadsee, begegnet man auf 1200 Kilometern einer Vielzahl von verschiedenen Landschaften und Klimata. 

Küstenregion 

Karte von Kamerun
Bild: CIA World Factbook, Wikimedia Commons

Im südwestlichen Teil des Landes, der an den Atlantik grenzt, herrscht ein regenreiches tropisches Klima und ganzjährig warme Temperaturen. Hier liegt die Hafenstadt Douala, in dessen Agglomeration sich auch das Gesundheitszentrum befindet, welches KamerunGO! 2020 eröffnen konnte. Weiter südlich fliesst der Sanaga in den Atlantik, mit fast 1000 Kilometer Länge der längste Fluss Kameruns. Er bildet ein Delta mit unzähligen Schwemmebenen und Lagunen. Folgt man der Küstenlinie entlang Richtung Süden, trifft man auf den Badeort Kribi mit seinen von Palmen gesäumten Sandstränden. Wenn man der Küstenlinie erfolgt, erblickt man den mächtigen Urwald Kameruns, der oft bis an die Atlantikküste reicht.

Regenwaldgebiete

Die grossen Regenwälder Kameruns befinden sich südlich von Yaoundé, der Hauptstadt Kameruns. Die Urwaldriesen sowie die grosse Artenvielfalt werden durch Schutzgebiete, Reservate oder Nationalparks erhalten. Im Kongobecken findet sich das nach dem Amazonas grösste zusammenhängende Regenwaldgebiet der Welt. Dazu gehört auch der Lobéké-Nationalpark im Süden Kameruns. Leider machen die illegale Abholzung und Wilderei auch vor diesen Schutzgebieten nicht Halt. Ausserhalb der Schutzgebiete sind Raubbau und Rodungen die Norm – man trifft vorwiegend auf lichten, von Plantagen durchsetzten Wald. 

Das Amadoua-Hochland 

Bewegt man sich weiter ins Landesinnere, werden die Niederschläge spärlicher und die Temperaturen wärmer – wir befinden uns in der Feuchtsavanne. Jenseits der Waldgebiete steigt die Landschaft zur Kamerunlinie, einer vulkanischen Gebirgskette, von 600 auf 1200 Höhenmeter an. Schon bald trifft man in Ngaoundéré ein, dem Zentrum des «Wasserschlosses» von Kamerun, wo viele Flüsse entspringen. Weiter Richtung Norden, im Bouba-Ndjida-Nationalpark südöstlich von Garoua trifft das Grün Zentralafrikas auf das Gelb der Wüste. Hier sind wir im Afrika aus dem Bilderbuch: hügelige Savannenlandschaft, hohes Elefantengras, Gruppen von Sträuchern und kleine Laubwälder. Auch das bekannte Grosswild wie Giraffen, Löwen und Elefanten  ist hier beheimatet und wird von den Rangern so gut als möglich vor Wilderern beschützt. 

Subtropische Bergzone 

Krater auf dem Kamerunberg
Bild: Amcaja, Wikimedia Commons

Bevor wir uns in den nördlichsten und trockensten Teil Kameruns begeben, werfen wir einen Blick zurück ans andere Ende der Kamerunlinie. Diese erstreckt sich bis in die Bucht von Biafra und beinhaltet den höchsten Berg Westafrikas: den Mount Cameroon (4070 müM). Von den am Fuss des Berges ansässigen Bakweri wird er auch «Fako», Gipfel, oder «Mongo ma Lobo», Berg des Donners, genannt, denn er ist einer der ältesten noch aktiven Vulkane der Erde. Der letzte Ausbruch ereignete sich 1999. Seit 2009 wird das fruchtbare und artenreiche Umland des Berges durch enen Nationalpark geschützt. Von Mangrovenwäldern an der Küste, über tropische Regenwälder, baumfreie Savannen und schliesslich karge Lavafelder ist auf den Höhenlagen rund um den Mount Cameroon alles zu finden.  

 

Der Norden 

Zu unserer letzten Station: Der nördlichen Spitze Kameruns. Das Adamoua-Plateau fällt zum Norden von Kamerun hin steil ab und mündet in einer trockenen Savanne. Diese wird vorerst von einigen vulkanischen Inselbergen dominiert, verwandelt sich jedoch noch weiter gegen den Tschadsee in eine flache, sandige Landschaft. Einige Flüsse führen ganzjährig Wasser, während sich viele Mayos –ausgetrocknete Flussbetten – nur in der Regenzeit mit Wasser füllen. Wir sind nun im Sahel, der Übergangszone von der Feuchtsavanne zur Wüste Sahara, angekommen und nur sehr robuste Pflanzen wie die Akazie oder die Hirse halten dem heiss-trockenen Klima stand.  

 

Die Tierwelt Kameruns

Waldelefant: Er ist kleiner als sein afrikanischer Verwandter und hat gerade Stosszähne.
Bild: John Mackenzie Burke, Wikimedia Commons

Die vielfältigen Lebensräume, die Kamerun zu bieten hat, begünstigen eine ausserordentlich reiche Artenvielfalt. Diese kann vor allem in den geschützten Gebieten erhalten werden, denn die Armut treibt die Menschen in vielen Teilen des Landes zur Jagd von Wildtieren. Besonders bedroht sind Primaten und Waldelefanten. Letztere werden aufgrund des Elfenbeins, das besonders auf chinesischen Märkten noch immer Absatz findet, gejagt und getötet. Gelingt jedoch der Artenschutz, ist die Diversität riesig: In den Nationalparks der Regenwälder leben Gorillas, Schimpansen und viele weitere Primatenarten. 400 Vogelarten werden allein im Korup-Nationalpark gezählt, darunter auch endemische Arten wie der kleine Kamerun-Brillenvogel, der nirgendwo sonst lebt. In den dichten Wäldern des Lobéké-Nationalparks leben ausserdem Waldelefanten, verschiedene Antilopen, Panther und Büffel. 

Weiter gegen Norden nimmt die Artenvielfalt an Säugetieren bis auf einige Nationalparks drastisch ab. Der Waza-Nationalpark ist einer der letzten sicheren Fluchtorte für Giraffen und Savannen-Elefanten. Auch Löwen sind in den Schutzgebieten des Nordens anzutreffen. Der Bestand an Flusspferden wurde drastisch dezimiert, Geparden und Spitzmaulnashörner sind seit 2003 vollkommen aus Kamerun verschwunden. Auch der Goliath-Frosch, der so gross wie ein menschliches Baby und bis zu 4 Kilogramm schwer werden kann, wird von der Bevölkerung gejagt. 

 

Naturschutz und Präservation der Artenvielfalt 

Lava-Strand mit schwarzem Sand in Limbe.
Bild: Bernard Dupont, flickr

Die Schönheit der Flora und Fauna in Kamerun ist unbestritten. Umso klarer ist es, wie schützenswert solch artenreiche Gebiete sind. Leider stellt dies aufgrund von Korruption und Armut im Land eine schwierige Aufgabe dar. Dennoch setzen sich Umweltorganisationen wie der WWF unermüdlich für eine nachhaltige Entwicklung in Kamerun ein. Durch die Unterstützung solcher kann ein wichtiger Beitrag zum Schutz der Natur in Kamerun geleistet werden. 

Mehr Informationen über den Einsatz des WWF im Kongobecken unter:
https://www.wwf.de/themen-projekte/projektregionen/kongo-becken/zustand-und-bedeutung 

 

 

Quellen:
Gartung, Werner: Reise-Know-how Kamerun. Handbuch für individuelles Entdecken. Bielefeld, 2015. 

von Poser, Fabian/Kah, Agnès: Lesereise Kamerun. Im Angesicht des Gorillas. Wien, 2017. 

Jana Arnold

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