Das Coronavirus breitet sich weiter aus

848 Angesteckte, 130 Genesene und 14 Todesfälle: Das sind die offiziellen Zahlen im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Kamerun. Doch die Dunkelziffern dürften weit höher sein. In Kamerun fehlt es nicht nur an Schutzmasken und Beatmungsgeräten, sondern auch an Tests und Laborchemikalien.

Ende März hat der Mitbegründer der Alibaba Group Jack Ma dem Land 20‘000 Test-Kits, 100‘000 Masken und 1000 Schutzanzüge gespendet – für die rund 25 Millionen Einwohner natürlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Seit dem 3. April verfügt das Laquintine-Krankenhaus in Douala über ein funktionierendes Labor, in dem Covid-19-Tests möglich sind.

Am 9. April wurde eine neue App eingeführt, mit der sich Nutzer über das Corona-Virus und dessen Verbreitung informieren können. Mit der App „Coronatrack“ können sich auch Doktoren und Patienten austauschen.

Am 10. April hat die Regierung sieben weitere Massnahmen zur Bekämpfung des Virus verabschiedet, unter anderem eine Maskenpflicht in allen öffentlichen Bereichen. Ausserdem sollen die Tests wie auch die Sensibilisierungs-Kampagnen auf dem Land intensiviert werden.

Gerade aber die einfachsten Massnahmen, wie beispielsweise Hände mit Wasser und Seife zu waschen, sind in einigen afrikanischen Ländern nicht einfach umzusetzen. Wasser ist oft nicht verfügbar und muss teuer gekauft und nach Hause gebracht werden. Viele Menschen wollen sich nicht testen lassen, da sie es sich nicht leisten können, 14 Tagen in Quarantäne zu verbringen. Die Afrikanische Union schätzt, dass ein Drittel aller Steuereinnahmen auf dem Kontinent einbrechen könnten. Dann bliebe noch weniger Geld für die jetzt schon schwachen Gesundheitssysteme.

Moses Masika, Virologe der Universität Nairobi meint, dass gerade Verbrauchsmaterialen in hohem Masse fehlen. Um diese liefern sich reiche Industrieländer teilweise einen erbitterten Wettbewerb mit den Ärmsten, beobachtet die WHO. Im Westafrikanischen Senegal werden daher im Pasteur-Institut neue Testverfahren gegen Covid-19 erprobt, bei denen die Kosten um ein Vielfaches geringer sein können.

13. April: Die Schutzmasken müssen ab heute in der Öffentlichkeit getragen werden, in den Märkten sind sie obligatorisch. Sicherheitskontrollen sorgen für die Umsetzung.
Die Association of People from the Northern region of Cameroon, die in Douala ihren Sitz hat, hat Spenden gesammelt, um den Einheimischen – insbesondere der ärmeren Bevölkerung – die Einhaltung dieser Massnahme zu ermöglichen.

Aktuell sind in ganz Afrika mehr als 15‘000 Infektionen bestätigt worden, allerdings haben auch 19 Länder bislang noch keine Todesfälle gemeldet. Wie schlimm die Corona-Pandemie in Afrika werden wird, darüber herrscht selbst bei Experten Uneinigkeit. Die einen glauben, dass Afrikas Erfahrung in der Seuchenbekämpfung, das tropische Klima und die junge Bevölkerung die Ausbreitung eindämmen werden. Andere meinen, dass die grösste humanitäre Katastrophe der Geschichte bevorsteht.

Videos:
https://www.srf.ch/news/international/coronavirus-in-afrika-ein-kontinent-geht-vergessen

Kommentar von Bill Gates: https://www.ardmediathek.de/ard/player/Y3JpZDovL2Rhc2Vyc3RlLmRlL3RhZ2Vzc2NoYXUyNC9kOTk3ZTdkYy1iMDI0LTQ1NjQtYjM2Mi0xMmE2ZDFlNTI2ZWIvMQ/corona-krise-in-afrika-schnelle-ausbreitung-des-virus-befuerchtet

Nicole Sinkovits

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